NUK



Papa werden

Flying_Daddy_George

Es gibt so einen Gedanken, für den ich mich jetzt unendlich schäme! Während der Schwangerschaft meiner Frau dachte ich ziemlich oft mit einem schrecklichen Bauchgefühl und ja, Panik:

„Werde ich mein eigenes Kind so lieben können, wie mein Patenkind?“

Denn ich habe eine wirklich gute Beziehung zu meinem Patenkind und damals stand sie an zweiter Stelle hinter meiner Frau. 

Zuallererst mal: „unsere“ Schwangerschaft war kein Unfall, kein Zufall, sondern wirklich 1000% beabsichtigt.

Zuallererst mal: „unsere“ Schwangerschaft war kein Unfall, kein Zufall, sondern wirklich 1000% beabsichtigt. Ich wollte unbedingt Papa werden, ich habe mir wirklich nichts sehnlicher gewünscht und dann BOOM steht da „Schwanger“ auf dem Test. Ich konnte es gar nicht fassen, habe gleich einen zweiten Test angeordnet (der auch positiv war). Wir haben uns so gefreut, haben unsere Eltern angerufen und konnten es im ersten Moment auch nicht richtig fassen. Mit so einer Nachricht beginnt sofort ein neues Leben. Stephie war von diesem Moment an Mama, voll und ganz. Da wurden Internetseiten und Bücher durchforstet, auf alles, was womöglich schädlich sein könnte verzichtet und auch bloß kein Risiko eingegangen. Wir haben auf Namenssuche Freunde, Bücher und Filme konsultiert und uns eine neue Wohnung gesucht, in der unser Baby dann ein eigenes Zimmer haben würde. Man hat es meiner Frau irgendwie angesehen, da war ein neuer Ausdruck in ihrem Gesicht, so glücklich und von Anfang an umfasste sie ihren Bauch, als würde sie unser Kleines schon umarmen. Doch ich muss heute schmerzlich zugeben, dass mir das „Papa-Gefühl“ irgendwie gefehlt hat. Ich sah die befruchtete Eizelle auf dem ersten Ultraschallbild, dann kam ein zweites Bild und ein drittes, doch ich habe es nicht geschafft zu unserem Baby, das dort schon irgendwie zu sehen war, eine Beziehung aufzubauen. Natürlich habe ich mich darauf gefreut, aber so richtig Papa war ich noch nicht. Zu Tränen gerührt war ich dann das erste Mal, als ich bei der Ultraschalluntersuchung den Herzschlag hörte. Das war ein richtiger Beweis, dass dort ein neues Leben heranwächst und ich konnte mir das irgendwie besser vorstellen. Ab da habe ich mir mehr Mühe gegeben. Ich habe den Bauch - der bei meiner Frau erst sehr spät zu sehen war - massiert, aber so richtig war das nichts für uns. Dann habe ich angefangen mit unserem Baby zu sprechen und für es zu singen. Das ging schon eher, da ich sowieso ständig am summen bin und Musik ja sowieso viel mehr Gefühl vermitteln kann als jedes Wort. Wahrscheinlich fiel es mir aber auch so schwer, weil wir uns vom Geschlecht unseres Babys überraschen lassen wollten. Oder eher: Ich wollte das so! Ich wollte mich überraschen lassen oder war das ein Fehler?! 

Denn als ich unsere Prinzessin das erste Mal sah, war das ganze Getue egal

Und so kam es, dass ich meiner Frau tatsächlich die oben genannte Frage stellte. Für Frauen ist das glaube ich viel leichter! Sofort ändert sich alles! Wenn das Baby sich das erste mal bemerkbar macht zum Beispiel, dann merkt das die Frau sofort und bis der Mann dann fühlen möchte, rührt sich erst einmal nichts mehr - zumindest war das bei uns so. Jetzt tut mir dieser Zweifel, den ich damals hatte schrecklich leid! Denn als ich unsere Prinzessin das erste Mal sah, war das ganze Getue egal - ich bekomme jetzt noch weiche Knie, wenn ich an diesen Moment denke.

Ich war Papa.

So viel Liebe habe ich noch nie für jemanden empfunden! Und als dieses kleine, wunderschöne Mädchen, mit seiner faltigen Haut, diesen minikleinen Fingern und den hellen Augen, in meinen Armen und später auf meiner nackten Brust lag, da habe ich mit Tränen in den Augen den Kopf geschüttelt und mich über mich selbst geärgert. Denn scheinbar ist das so: Frauen sind sofort Mutter, sobald sie das Baby im Bauch haben, doch Männer werden erst Papa, wenn das Baby wirklich da ist. Ich habe mich darüber auch mit mehreren Vätern unterhalten, die das ähnlich empfanden. Das ganze Hin und Her mit Gipsabdrücken und Massageölen kann ein schönes Erlebnis als Paar sein, doch mich hat es nicht mehr zum Vater gemacht. Mich hat meine Tochter erst dazu gemacht und sie hat mir gezeigt, dass ich mir über so etwas nie wieder Gedanken machen muss. Egal wie viele Kinder (hoffentlich) noch kommen werden, sie werden immer noch Platz in meinem Herzen finden.